(Foto: Tobias Hoops)

Bericht der Böhme-Zeitung:

Ein Spätsommer-Spaziergang war es nicht für den MTV Soltau, das letzte Pflichtspiel in der Handball-Verbandsliga vor den Herbstferien. Gegen Aufsteiger HSG Oha feierten die Schützlinge von Trainer Thorsten Lippert in eigener Halle ein 33:32 (14:18), nachdem sie zwischenzeitlich mit sechs Toren zurückgelegen hatten. Dabei krankten die Gastgeber wieder am alten Leiden: zu viele Angriffe, die nicht erfolgreich abgeschlossen wurden. Zumindest 50 Minuten lang war ein Heilmittel gegen die Schwächen nicht zu finden. „Hinzu kommt, dass wir in der Rückwärtsbewegung zu langsam waren“, erklärte Lippert.
Nach gut einer Minute gelang Thies Flammann das 1:0 für den MTV. Es schien zu laufen, niemand ahnte, dass die Soltauer bis zur 56. (!) Minute warten mussten, ehe die Lippert-Sieben wieder in Führung gehen würde. In der ersten Hälfte spielte Oha seinen Stiefel runter, während es die Soltauer verpassten, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Viele Kleinigkeiten zeichneten dafür verantwortlich, dass es die Gastgeber nicht schafften, sich mit Oha auf Augenhöhe zu duellieren. Zudem agierte Schlussmann Niklas Berger fast fehlerfrei. Zu allem Unvermögen kam Pech dazu. Dreimal trafen die MTV-Spieler Pfosten beziehungsweise Latte, auch vom Siebenmeterpunkt, so schien es, war erstmal nichts zu holen. Bei 3:4 scheiterte Stefan Bulitz vom Punkt, die Gäste kamen dann auf ein 6:3.

Der Oberligaabsteiger ließ in den ersten 30 Minuten die Frische vermissen, mit der er im ersten Heimspiel Anfang September den VfB Fallersleben von der Platte fegte. Zu schwerfällig im Spiel nach vorn, zu statisch in der Abwehrarbeit – da richtete selbst ein erfahrener Jan Wagner, der wieder einmal ausgeholfen hatte, wenig aus. Man spürte, dass der MTV die Niederlagen in Braunschweig und gegen Rhumetal noch nicht verdaut hatten. Die Nervosität des Teams war nicht zu übersehen.

Einige Male war der MTV aber trotzdem dran, den Gästen den Schneid abzukaufen und das Spiel zu drehen. So in der 20. Minute, als die Gastgeber wieder auf ein Tor herangekommen waren. Doch zum Leidwesen von Zuschauern, Offiziellen und selbst den Spielern verfiel die Lippert-Sieben wieder in Lethargie.

Mit einem Vier-Tore-Rückstand zur Pause war die Lippert-Sieben gut bedient. „Wir ziehen unser Spiel nicht durch“, hatte der Trainer erkannt. Und dürfte deutliche Worte in der Kabine gefunden haben, die aber zunächst wirklungslos verhallten. Ein überragender Yannik Rauch sowie Torben Schweidler brachten die Gäste nach zwei Minuten im zweiten Durchgang mit sechs Treffern nach vorn (20:14). Was sich andeutete, war ein Debakel. Zumal, wenn man sich daran erinnerte, dass dem MTV in den letzten Minuten der vergangenen beiden Spiele die Luft ausging.

Diesmal waren es aber die Gäste, die ihrem schnellen, kraftraubenden Spiel Tribut zollten. Nachdem sie in der 51. Minute noch zum 29:24 getroffen hatten, ging ein Ruck durch die Reihen der Gastgeber. Und nun zeigte auch der HSG-Schlussmann seine Schwächen, die Mika Burmester, Thies Flammann und „Rückraum-Monster“ Jan Wagner zu nutzen wussten. Bei flachen Bällen nämlich machte Berger alles andere als eine gute Figur.

Und so brauchte Soltau nur dreieinhalb Minuten, um aus einem 24:29 ein 29:29 zu machen. Zwei Minuten darauf besorgte Wagner sogar das 30:29. Jetzt war Oha in Zugzwang – und der zweite Sieg der Saison für den Aufsteiger so weit entfernt wie nie in diesem Spiel. Sechs Sekunden vor Ultimo besorgte Merlin Agovic das entscheidende 33:32. Ein abschließender Freiwurf der Gäste nach Ablauf der 60 Minuten brachte nichts mehr ein.


Geschrieben von Kerstin Willnat am 04.10.2017