(Foto: Rudi Mayer)

Die Steigerung über 800 Meter der jungen MTV-Läuferin Anna Lütjen am vergangenen Wochenende war schon unerwartet deutlich ausgefallen. Was sie beim mit über 750 Teilnehmern aus 150 Vereinen besetzten „BackOnTrack-Meeting“ in Dortmund jedoch über 3000 Meter zeigte, kann man getrost als „Quantensprung“ bezeichnen. Sie hatte die weite Anreise in Kauf genommen, um erstmals ihre wahrscheinliche Paradestrecke mit stärkster Konkurrenz durch teils zwei Jahre ältere Läuferinnen aus dem starken Landesverband Westfalen in Angriff zu nehmen, allerdings unter strengen Pandemie-Auflagen des Veranstalters. Der ursprünglich für 20:15 Uhr vorgesehene Start verzögerte sich um fast eine halbe Stunde, und es war für sie schwer, den Wettkampfmodus mit der entsprechenden Anspannung aufrecht zu erhalten, während zunächst zwei weitere Läufe über die Distanz abliefen. 

Als dann endlich der Startschuss fiel, ging es auch gleich voll zur Sache: im Schlepptau der 10:27-Minuten-Läuferin Leonie Borchers von der Läuferhochburg LG Dorsten wurden die ersten 400 Meter in sehr flotten 72 Sekunden absolviert, die 800 Meter in ebenfalls starken 2:33 Minuten. Nach etwa 900 Metern ließ die Führende etwas nach, so dass Anna Lütjen, die gerne die Rennen von vorne bestreitet, beherzt an die Spitze ging und das Lauftempo (1000 Meter in 3:14 Minuten – 1500 Meter in 4:57 Minuten) derart hoch hielt, dass das Feld starker Läuferinnen sich schnell auseinander zog. Leonie Borchers musste auf etwa fünf Meter Rückstand abreißen lassen, als die 2000m-Marke in 6:44 Minuten passiert wurde. Angespornt von der Tatsache, dass sie mit dieser Zeit ihre bisherige Hallenbestzeit um etwa 13 Sekunden unterboten hatte und sich gar schon auf eine Endzeit unter 10 Minuten einstellen konnte, ließ die Soltauerin nicht nach, immer noch relativ frisch und konzentriert wirkend. Alleine Tempo zu machen ist jedoch sehr schwer, und so kam die hartnäckig an ihren Fersen hängende Läuferin noch einmal auf, setzte gar zum Überholvorgang an. Als dies der Stadionsprecher verkündete, ging noch einmal ein Ruck durch die ehrgeizige Soltauerin. Auf der Zielgeraden mobilisierte sie nochmals alle Kräfte und überlief schließlich mit mehr als zwei Sekunden Vorsprung die Ziellinie. Mit der Siegerzeit von 10:06,03 Minuten unterbot sie den seit 27 Jahren bestehenden Bezirksrekord um sage und schreibe 24 Sekunden und setzte sich souverän an die Spitze der Deutschen Jahresbestenliste. 

Ärgerlich dabei ist nur die Tatsache, dass sie mit dieser Spitzenleistung in den beiden vergangenen Jahren souverän Deutsche Schülermeisterin geworden wäre – diese Nachwuchsmeisterschaft wurde jedoch in diesem Jahr aus den bekannten Gründen ersatzlos gestrichen.

In den nächsten Wochen erwarten nun mehrere Strecken den Angriff der trainingsfleißigen Läuferin, der in der derzeitigen Form auch über 1500 Meter, 2000 Meter und im 1500m-Hindernislauf ähnlich starke Leistungen zugetraut werden dürfen. 


Geschrieben von Sandra Bargmann am 17.07.2020
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